Abschied

Und zum Schluss noch dies...

Alles hat ein Ende. Auch 100 Tage in Afrika. Morgen begrüßen wir zum letzten Mal die Sonne auf der südlichen Hemisphäre. Jedenfalls vorläufig. 

Unser Landrover glänzt wie neu. In einer zweistündigen Generalreinigung durch vier Mitarbeiter der Waschstation einer städtischen Tankstelle wurde ganz viel Staub, Dreck und noch letzter Elefantenschlamm aus Sambia weggespült. Innen- und Aussenreinigung, Einfetten des Leders, Polieren der Felgen etc. ergibt für ein Auto dieser Größe den Preis von 72 Rand. Halt, wie hoch ist nun der Stundenlohn eines Angestellten, wenn der Wechselkurs bei ca. 13 Rand für einen (1) Schweizer Franken liegt? Anderntags haben wir für den fälligen Service bei einer autorisierten Landrovergarage einen vierstelligen Rand-Betrag bezahlt, was dem Schweizer Preisniveau doch schon sehr nahe kommt. Glücklich haben wir vernommen, dass unser fahrbares Zuhause die 9500 gefahrenen Kilometer auf Teer, Kiesel, Fels, durch Sand, Wasser und Schlamm völlig unbeschadet überstanden hat. Nun gönnen wir ihm sieben Monate Ruhe an der Sunshine Coast, wenn nicht jemand unter euch treuen Lesern den stillen Traum eines eigenen Afrikaabenteuers in die Tat umzusetzen gedenkt und dazu noch das passende, zuverlässige Gefährt sucht. Kindersitz und Reiseideen sind inklusive.

Zum Beispiel Südafrika. Ein Land voller Kontraste. Auf der einen Straßenseite wähnt man sich in einer amerikanischen Supermall, auf der anderen erinnert einen das Bild eher an einen Slum in Nairobi. Da sind die umzäunten riesigen Ländereien der Farmer, die eindrucksvollen Drakensberge, die kilometerlangen ursprünglichen Sandstrände. Die Eselkarren schwarzer Bauern in den Bergen und all die weißen 4x4 Pickups auf den Topüberlandstrassen. Phasenweise wähnen wir uns in Australien, dann wieder USA, Kanada, England oder eben Kibera in Nairobi, Kenia. 

Das eigentliche Reisen hat sich enorm vereinfacht. Was wir vorher an Zeit mit Organisieren unseres Alltags, Orientieren, Suchen und Finden und vor allem Warten verbracht haben, stecken wir in Südafrika in andere Vorhaben. Wandern zum Beispiel. In Ostafrika noch kaum möglich ohne Begleitung zig Kindern, männlichen Guides und obligatem Passieren einer Zahlstelle für die Eintrittsgebühr zum unglaublich hohen Wasserfall(!), gibts in Südafrika nun richtige Wanderwege. Das haben wir ausgekostet und sind durch die eine oder andere Schlucht gewandert. Zuletzt nun in Begleitung meiner Schwester und ihrer Familie, die drei Wochen Ferien in Südafrika macht. Dabei sind wir an sehr schönen Naturparadiesen vorbei gekommen, die wir, im Unterschied zu der nur ca 80 Kilometer Luftdistanz entfernten legendären Gardenroute, für uns ganz alleine genießen konnten.

Dankbar blicken wir auf jeden Tag unserer Reise zurück. Wir haben sie als sehr bereichernd, abwechslungs - und erlebnisreich in Erinnerung. Wir sind uns unseres Luxus, als Familie für drei Monate dem Alltag den Rücken zuzukehren und loszuziehen, sehr bewusst. Ein Luxus, der so wertvoll ist. Einmal ohne viel Ablenkung, mit lediglich einer 30x20x15cm großen Box mit Spielsachen, (noch) einem Smartphone, (noch) einer Handykamera, einer Drohne und etwas Lektüre, häufig offline, nur wir Fünf, aber mitten in der großen, weiten Welt. Als ein Team.

Lässt sich dieses gute Gefühl mit nach Hause, in den Alltag, nehmen? Werden wir uns daran erinnern können, wenn gerade einiges schief läuft, wenn man gleichzeitig an vier Orten sein sollte? Wenn wir wieder beschleunigen, alles schneller machen, damit wir mehr Zeit haben, um noch mehr unter einen Hut bringen zu können? Wenn wir wieder all den materiellen Luxus um uns haben? Zum Glück haben wir Kinder, einen erfüllenden Job in der hochalpinen Abgeschiedenheit und zum Glück ich kein iPhone mehr. Und wenn das nicht genug ist, dann kommen wir einfach wieder, nach Afrika. 

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Kommentare: 4
  • #1

    Esther Urben (Mittwoch, 22 Februar 2017)

    Liebe fünf Sagers, vielen Dank für all die spannenden Berichte!
    Wir freuen uns für Euch, dass Ihr so eine schöne Zeit hattet.
    Und hoffen, dass Ihr Euch in Gsteigwiler auch bald wieder heimisch fühlt.
    Bis bald!
    Esther, Andreas und Mirjam

  • #2

    Johannes (Freitag, 24 Februar 2017 01:02)

    Auch ich möchte mich herzlich bedanken, dass ihr mich ein wenig teilhaben liesset an eurer spannenden Afrika-Reise.

    Ich wünsche gutes Wieder-Einleben in der Schweiz und freue mich, euch bald wieder mal zu sehen!

    Lieber Gruss
    Johannes

  • #3

    Rolf und Megi (Freitag, 24 Februar 2017 14:18)

    Liebi Sager's, dür e Blogg hei mier öich uf der Abentüürreis dörfe begleite u hei mängisch a öich dänkt u üs la inschpiriere. O der Cibo het öppe es Wuff zu öich gschickt. Mier fröie üs jetz, öich gly wiedergseh. Ganz liebi Grüess vo Schluni's u Cibo.

  • #4

    Waltlis (Sonntag, 12 März 2017 03:09)

    Wunderschöne Fotos, faszinierende und spannende Berichte. Einfach genial !
    Liebe Glarnergrüsse