Blitzlichter

Fremd, faszinierend, irritierend

Egal ob es sich um Handwerksbuden, Dienstleistungsbetriebe, Verpflegungs- oder Fruchtstände handelt; in ostafrikanischen Dörfern und Städten (außerhalb von international geprägten Vierteln in Grossstädten) teilt man seinen Standort mit der ganzen im gleichen Ort ansässigen Konkurrenz. Das heißt, es gibt DIE Fleischbudenstrasse, DIE Eisenwarengeschäftstrasse, DIE Bankenstrasse. Warum??? Warum bietet uns niemand gekochte Eier an oder Bananen oder ..., wenn wir uns soeben mit gerösteten Maiskolben eingedeckt haben, sondern alle versuchens mit noch mehr Mais? Diese Frage haben wir oft diskutiert, habt ihr mit Distanz vielleicht Antworten (bitte in Kommentare schreiben)? Übrigens auch in Nordafrika einst so erlebt und von Westafrika Ähnliches gehört. Südlich von Zambia stark rückläufig. 

Wer oder was fährt denn da auf dem Gepäckträger des Velos mit? Holzbeigen, Ziegen, Schweine, Hühner, Kartons à vielleicht 10 Mal 30 Eier, ganze Menschenfamilien etc. Bis auf letztere sämtliches Transportgut mit Gummibändern aus alten Autopneus straff und unverrückbar an den Träger gebunden. Wir waren uns nicht immer ganz einig, ob ein Schwein, könnte es wählen, lieber nach EU-Normen mit ganz vielen anderen Artgenossen den Stehplatz teilt oder eine Fahrt gefesselt ans Velo auf sich nimmt. Von Kenia bis an Südafrikas Grenze haben wir zweimal (weiße) Veloreisende und einmal eine Gruppe Mountainbike-Touristen am Rande eines Nationalparks getroffen. Ansonsten erschien uns das Fahrrad stets im Alltag als Transportmittel eingesetzt worden zu sein.

In der südafrikanischen Zeitung "The Citizen" gelesen: Zambias Regierung hält  trotz Kritik von verschiedenen Seiten an ihrem vor zwei Jahren eingeführten Gesetz fest: Jeder Frau im Arbeitsverhältnis wird ein freier Tag pro Monat zugesprochen, damit sie während den argsten Menstruationskrämpfen zuhause bleiben kann. Erstaunlich für ein Land, in dem die Vorgänge des weiblichen Körpers scheinbar stark tabuisiert werden. 

Verkehrsschilder, wo wir erstmals zweimal hinschauen (Achtung: Elefant, Warzenschwein...), haben sehr wohl Berechtigung. So spazieren ganze Elefantenherden an und über die Hauptstraße, welche Botswanas Norden mit dessen Süden verbindet.

Polizeisperren in Botswana, wo nur eine Fahrt bzw. ein Gehen durchs Desinfektionsbad die Weiterfahrt ermöglichen. Ob dies sowie die Konfiszierung von Frischprodukten tierischen Ursprungs, in der heutigen Welt, einen Beitrag zur Verhinderung von Seuchenausbreitungen bewirken kann? 

Es gäbe noch vieles mehr zu berichten... Mit dieser kleinen Auswahl möchte ich aufzeigen, was mich immer wieder von Neuem packt beim Reisen. Es sind solche irritierende Blitzlichter und Alltagssituationen, die mich faszinieren. Ich möchte sehen, wie Menschen fern von einem mir vertrauten Umfeld leben. Wie das öffentliche Leben funktioniert oder auch nicht. Wie man es auch noch machen könnte... Um irgendwann vielleicht mehr zu verstehen. Über das fremde Land und seine Bewohner und gleichzeitig vor allem über mich, uns und unser Heimatland. Und das scheinbar Selbstverständliche, das alles andere als selbstverständlich ist, wieder mehr zu schätzen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Johannes (Mittwoch, 08 Februar 2017 05:10)

    Hallo ihr Lieben

    Ist doch praktisch, wenn es eine Strasse mit Eisenwaren und eine mit Staubsaugern und eine für Gewürze gibt! So muss man nicht weit laufen, um zu sehen, was die Konkurrenz anbietet. Ich habe es in Kathmandu letzten Herbst genauso erlebt. Warum dies so ist, würde ich auch gerne weiter herausfinden!

    Danke für eure unterhaltsamen und geistreich aufbereiteten Beiträge, welche ich immer gerne lese. Sie wecken stets auch bei mir ein wenig die Reiselust und das Entdeckungsfieber!

    Lieber Gruss
    Johannes

    PS: Dieser Doctor Sarah: Ein wahrer "Allgemein"-Mediziner! Ich bin beeindruckt, welche Palette er abdecken kann!

  • #2

    Melanie (Mittwoch, 08 Februar 2017 12:30)

    Hoi zäme

    Zu den geteilten Standorten habe ich auch eine Idee: Was tun, wenn eine hungrige, fünfköpfige Familie über einen Maiskolben-Verkäufer (resp. über dessen Angebot) herfällt? Da ist es doch praktisch, wenn der Nachbar nebenan das Selbe verkauft und man bei ihm Nachschub holen kann.

    Liebi Grüess
    Melanie