Reisealltag

Ein 0815-Tag auf Reisen

"Wann gibts Zmorge?" Der Wecker aus dem Kinderzelt reisst mich um 5.30 Uhr aus dem Schlaf. An gemütliches Kuscheln ist nicht mehr zu denken. Die erste prioritäre Aufgabe des Tages ruft. Schnell heisses Wasser auf dem Benzinkocher aufsetzen, Prinzessin Mena nach ihren Frühstückswünschen (Milch oder Tee, mit Zucker oder ohne, heiss, warm, temperiert oder kalt...) fragen, die Buben vor dem Herfallen über die bereits mit Blueband (salzige Margarine, schmilzt garantiert nicht, verbreitet in Ost- und Südafrika) gestrichenen ungetoasteten Toastbrotschnitten hindern... Mit dem Essen legt sich der erste Morgenstress. 

Der Abwasch wird von den Kindern erledigt, Christoph und ich widmen uns unserem "Haus"halt. Abbau der Zelte, Abstauben im Auto und grobe Schlammentfernung ausserhalb, getrocknete Wäsche verräumen, Auffüllen der Wasservorräte. Dann folgt die GPS-Planung des Tages. Die Kinder spielen inzwischen mit Sand, Ästen, ahmen erlebte Alltagsszenen nach und arbeiten im "Schulbuch". Um 10 Uhr begeben wir uns auf den Weg.

Simon schläft bald ein, Levi wünscht rasch etwas zu hören, wobei seit Kenia Kasperlitheaterverbot herrscht, Mena muss auf die Toilette und hat fünf Minuten später Hunger. Die Zeit, wo alle drei gleichzeitig zufrieden im Auto sind, wird sicher auch heute kommen, die Frage ist: Wann? 

Endlich soweit, widmet sich Mena nun dem Zeichnen und Basteln. Levi will in der Hörspielpause mehr über den ostafrikanischen Grabenbruch wissen, der wieder muntere Simon zieht seine Schuhe an und aus und grüsst die Menschen am Strassenrand mit Winken und "Hallou". Wegen dem Tiptoistift bahnt sich sodann ein Streit an. Oje, es ist ihnen ernst. Es wird gekneift, gebissen, geschlagen. Wir müssen an den Strassenrand fahren, der Radau lässt keine ausreichende Konzentration auf tierische und menschliche Verkehrsteilnehmer mehr zu. Doch, die Kinder haben noch beide Ohren und siehe da, dank des putzigen Äffchens auf dem Baum, der uns für den Halt Schatten spendet, ist der Streit schon längst vergessen. Wir machen einen längeren Stopp und erstehen uns ein paar kraftspendende Bananen und herrlich riechende geröstete Maiskolben. Einsteigen bitte, es geht weiter. Leider nicht für lange, denn da blockiert ein Nagelbrett die Fahrbahn: Polizeikontrolle. "Hi my brother, hi madam, where are you from?, where do you go, who is the first born child?, can you leave me one child?" Zum Glück nicht wieder eine in unseren Augen völlig zu unrecht verhängte Geschwindigkeitsbusse.

16 Uhr wirds, bis wir am neuen Ort die Zelte aufschlagen. Christoph richtet unser Schlafzimmer auf und ein, die Kinder suchen die Umgebung nach Kletterbäumen, Wasser und Dreckpfützen ab. Heute reichts sogar für ein Memoryspiel mit der ganzen Familie.

Mit Hilfe der Kinder mache ich erste Vorbereitungen fürs Znacht, Christoph duscht die Kinder und zusammen geben wir den staubigen Kleidern dank viel Omopulver und kaltem Wasser wieder die ursprüngliche Farbe zurück. Mit Anbruch der Dämmerung gehören langärmlige Kleidung und Mückenspray an den Füssen zum Muss. Bis wir Znacht essen, ist es schon dunkel. Damit überfällt uns auch schlagartig die Müdigkeit  und nach dem Essen wird alles daran gesetzt, möglichst bald ins Bett zu kommen. Bald schon wird in einem Dachzelt eine Geschichte vorgelesen. Draussen wird unterdessen noch Geschirr gespült und aufgeräumt, alles affen-, regen- und winddicht verschlossen und verstaut. Aufsässige Mücken und lähmende Müdigkeit verhindern einmal mehr einen lauen Abend draussen in vertrauter Zweisamkeit. Immerhin reichts im Dachzelt noch für fünf Seiten Lesen im Buch. Um 21 Uhr schlafen wir alle fünf.

Bald vernehme ich im Halbschlaf ein Summen: Mücken im Dachzelt! Ich bin sofort hellwach, Mordlust kommt auf. Eine halbe Stunde später zeugen nur noch etliche Blutspuren auf dem einst weissen Moskitonetz vom nächtlichen Kampf mit den Einbrechern. Drei Stunden später schreckt Christoph auf: Schwere Regentropfen und Donner! Rasch klettert er aus dem Dachzelt, verschliesst Kinder- und unser Zelt regendicht und kriecht etwas später als nasser Puddel wieder zu mir unter die Decke. Die restlichen nächtlichen Stunden sind geprägt von lebendigen, farbigen Träumen - ein Nebeneffekt der medikamentösen Malariaprophylaxe. Am nächsten Morgen hab ich wieder viel zu erzählen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Isabelle (Mittwoch, 25 Januar 2017 20:03)

    Vous semblez vraiment bien équipé! De vrais routards! C'est le fun de vous voir évoluer dans votre quotidien. Vous avez vraiment une belle petite famille.
    Isabelle

  • #2

    Chrigel (Freitag, 27 Januar 2017 10:52)

    Hallo zäme
    Hier ist es schön winterlich und kalt ! Daher geniesst die abenteuerliche Reise.
    Musste schmunzeln über Bericht des 0815 Tag - kann mir das super vorstellen,
    haben das mit unseren Kindern auch erlebt. :)

    Häbid sorg und bis glii. Liebi Griess vom Chilchbiel.