South Luangwa Nationalpark

Wild, grün, nass...

Das war definitiv nicht zu viel versprochen, was uns von vielerlei Seiten zum South Luangwa Nationalpark zu Ohren gekommen ist. Unser Campingplatz liegt direkt an einer Flussschlaufe des breit dahin mäandrierenden Luangwa Flusses. Gegenüber ist Nationalparkterrain. Der Übergang ist also wortwörtlich fliessend und daran hält sich auch die wilde Tierwelt.

Am ersten Abend, genüsslich versammelt um ein paar Häppchen vom Grill, war plötzlich eine aufgebrachte Pavianenbande zu hören und bald darauf die unverkennbaren Umrisse eines Löwen zu sehen. Geschätzte 50, gefühlte 20 Meter vor unseren weit aufgesperrten Augen spazierte er mitten durchs Camp.

Die Managerin, eine seit 13 Jahren hier ansässige Bernerin, hat uns gelassen darauf hingewiesen, die Kinder nicht aus den Augen zu lassen. Auch ein aufmüpfiger Elefantenbulle sorge hier ab und zu für Aufregung! Mit ihm hatten wir Tags darauf ein Intermezzo bei der späten Rückkehr aus dem Nationalpark. Unmissverständlich gestikulierte er mit seinen übergrossen Kopforganen und fällte zur Bekräftigung gleich einen Baum im hellen Scheinwerferlicht unserer LED Lightbar. Erst nach einiger Zeit und ein paar kapitulierenden Metern im Rückwärtsgang zottelte er letztlich ganz friedlich davon und verschwand in der Dunkelheit.

Am Morgen waren unsere Dachzelte noch klatschnass, als wir sie zusammen klappten um pünktlich um sechs am Parkgate zu sein. Ob die Investition der 75$ Parkgebühr auch tatsächlich einen Mehrwert bringt? Das morgendliche Löwengebrüll kam jedenfalls von diesseits des Flusses und schon nach den ersten Fahrmetern trafen wir auf seine frischen Pfotenspuren im aufgeweichten Strassensand. Für ein scharfes Foto reichte es allerdings nicht mehr, bevor wir das Mähnentier im Busch aus den Augen verloren.

Im Park waren es dann anfänglich mehr die nass aufgeweichten Pisten, die uns in Aufregung versetzten. Erstmals konnten wir den Habegger, unsere manuelle Stahlseilwinde einsetzen, um den Landy wieder aus seiner schlammigen Schieflage zu befreien, in die ich ihn manövriert habe. Unter Beobachtung von ein paar friedlich dahin ziehenden Elefanten. Zwischendurch gibt es Strassenabschnitte, deren dunkler Lehm das grobe Pneuprofil sofort auffüllt und in perfekte Formel 1 Reifen verwandelt. In der Mitte eine schiefe Eisbahn, links und rechts sumpfige Gräben. Glücklicherweise kommt jeden Tag auch wieder die Sonne und die Pisten  trocknen etwas ab. Trotzdem gab es noch viele Wasserdurchfahrten und diverse Male verzichteten wir auf eine Zusatzschlaufe, wenn rutsch- und sumpfverdächtiges Terrain vor uns lag. Der Habegger kam erst Tags darauf wieder zum Einsatz. Beim Versuch, ein Elefantenschlammbad zu passieren!

Wie man uns schon am Parkgate prophezeit hat, sind die Katzen auch hier wasserscheu und versuchen sich im Moment trockener Tatzen entlang der Strassen zu bewegen. Bewegen ist gut! Noch vor der Mittagsrast trafen wir auf zwei langgestreckt daliegende Riesenbüsis. Herr und Frau Löwe bereits in der Siesta - direkt am Wegrand.

Dass wir die beiden dann allerdings in der Abenddämmerung noch immer an der exakt gleichen Stelle wieder antreffen, weckt den Verdacht auf Inszenierung. Zumal das Girl auch noch ein hübsches Lederhalsband trägt.

Das halbe Grad Abkühlung motiviert sie jetzt immerhin zu kürzen Ausbrüchen aus ihrer Lethargie, welche ehrenvoll der Arterhaltung dienten - der Zehnminutentakt schmälert jedoch meine Neidgedanken und für unsere Jungmannschaft wird repetitiver Anschauungsunterricht geboten. Das ist Wildlifeschule pur.

Zwei der drei Tage im Wildlifecamp haben wir ohne menschliche Nachbarn verbracht. Während der letzten Nacht hat es 50mm geregnet und der breit dahinfliessende Luangwafluss ist nochmals merklich angestiegen. Zeit, etwas weiter zu ziehen, um dereinst die Regenzeit geografisch hinter uns zu lassen.

Kaum zu glauben, dass sich diese sattgrüne Natur bis zum Ende der Trockenzeit im November wieder in eine dürr und kahle Öde verwandelt und sich Elefanten, Giraffen, Löwen, Hippos und alles Leben um ein paar wenige Wasserlöcher versammeln.

Heute ist Simon's zweiter Geburtstag und vermutlich war es wieder der aufmüpfige Elefantenbulle, der ihm als erster gratulieren wollte. Seine frische Spur führte unmittelbar an unseren Zelten vorbei. Für Simon heissen sie übrigens "Fant" und kein anderes Tier vermag ihn vergleichbar zu entzücken.

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Kommentare: 4
  • #1

    Graf ruth (Freitag, 20 Januar 2017 02:23)

    Liebe familie sager.
    So offen so frisch erzählt ihr von euren abenteuer in afrika. Warte jeweils gespannt auf den nächsten eintrag. Ich bin eine regelmässige leserin. Seid ich euch im fernsehen gesehen habe. Danke für die schönen bilder. Ein bisschen erinnert mich das an unsere südafrikareise. Nur so mutig wie ihr fuhren wir nicht durch den tschungel. Ich wünsche euch von herzen noch viele schöne erlebnisse. Ruth graf

  • #2

    Franz und Berty Sager (Freitag, 20 Januar 2017 06:55)

    Hallo unsere Lieben
    Euer Adrenalinspiegel muss wohl laufend auf Höchststand sein! Was wir nur schon an Bilder zu sehen bekommen ist atemberaubend, wie fühlt sich das erst vor Ort an? Da könnte selbst Andreas Moser von Netznatur neidisch werden. Wir staunen, wie geschickt ihr mit jeder Situation umgehen könnt! Wir wünsche euch weiterhin viele zum Staunen bringende Momente auf eurer abenteuerlichen Reise. Viel Glück und herzlichste Grüsse aus Gossau

  • #3

    Diana Schenker (Sonntag, 22 Januar 2017 04:50)

    Diese spektakulären Fotos! Sage-r-haft!
    Die Drohne scheint noch immer ihre Dienste zu tun.
    Mindestens so spannend und neckisch der Text. Wenn ich das lese, fühle ich mich mittendrin. Ich rieche die faulen Löwen, höre die selbstbewussten Elefanten, und ich fühle den Schlamm an meinen Händen..

  • #4

    Prisca und Beat (Sonntag, 22 Januar 2017 11:29)

    Hallo ihr Lieben
    Toll eure Abenteuergeschichten. Wir sind fasziniert von den Erzählungen und Fotos. Es braucht schon viel Mut, Unerschrockenheit und Gelassenheit diese Reise mit 3 kleinen Kinder durchzuführen. Auf jeden Fall erlebt ihr unglaubliche, erlebnisreiche und einmalige Erfahrungen, die den Kindern sicher vieles mit auf ihren Lebensweg mitgibt.
    Wir freuen uns schon auf die nächsten Geschichten und Fotos.
    Den beiden Januar-Geburtstagskinder wünschen wir noch ein happy Birthday und allen weiterhin gute Fahrt und bleibt gesund.