Malawi

Ein ungeschliffener Diamant

Vor mir knistert leise die restliche Glut unseres Feuers. Über mir ein aufgelockertes Blätterdach durch welches sanft der halbe Mond scheint. Weit unter mir, weit zerstreut, ein paar einzelne Lichter von Siedlungen. Auf dem Schoss ein anhänglich schnurrender Kater, der interessiert meinen Fingertanz auf dem iPad verfolgt. Die drei Kinderlein führen im Dachzelt noch ihren aussichtslosen Kampf gegen den Schlaf und Sarah hat ihn bereits verloren.

Am Mittag, als wir hier angekommen waren, am Adlerhorst der Mushroom-Farm, konnten wir in der Ferne beobachten wie sich aus Blumenkohlwölkchen ein mächtiger Gewitterpilz aufbäumte, über dem lang und ruhig daliegenden Malawisee.

Der Weg hierher war wie massgeschneidert für unseren Landy. "A very bad road", wie man uns prophezeit hat. Eine rumplige Schotterpiste in engen Serpentinen, von der inzwischen spürbaren Regenzeit zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen. Aber kein unüberwindbares Hindernis, solange da keine lehmigen Rutschpartien eingebaut sind.

Was wir oben, am Klippenrand antreffen, passt vorzüglich zum bisherigen Eindruck den wir in den letzten Tagen bereits von diesem kleinen Binnenland Malawi erhalten haben. Der hiesige Tourismus unterscheidet sich massgeblich von jenem in Kenia und Tansania. Dort ist er entweder verdorben und unerschwinglich, oder überhaupt nicht vorhanden. Hier erinnert mich vieles an Südamerika vor zwanzig Jahren. Ein farbenfrohes, bunt zusammengewürfeltes Reisepublikum wird herzlich und sehr kreativ zu günstigen Preisen immer wieder aufs neue überrascht. In der Mushroomfarm z.B. mit ganz unterschiedlichen Hütten, Zeltplätzen und einem Restaurant mit Terrasse, spektakulär direkt am Abgrund. Gründer und Betreiber sind praktisch immer Msungu's die vor mehr oder weniger langer Zeit, selbst als Reisende, hängen geblieben sind. Obwohl Malawi, wenn überhaupt, höchstens als mausarm und rückständig bekannt ist, wäre es bisher das erste Land unserer Afrikareise, in welchem ich mir so etwas vorstellen könnte.

Der Malawisee ist der drittgrösste See Afrika's. Sein glasklares Wasser und die kilometerlangen Sandstrände erinnern ans Meer, wäre da nicht der fehlende Schluck Salzwasser beim Eintauchen ins lauwarme Nass. Etwas Unbehagen verursachen höchstens die oft widersprüchlichen Informationen bezüglich Bilharziose und einstweilen anzutreffenden Krokodilen. Aber bei soviel pechschwarzer Haut die sich darin tummelt, vergnügt, wäscht, taucht, fischt und daraus trinkt, können wir das Restrisiko verantworten und wagen den Sprung!

Schon die Einreise nach Malawi war mit zahlreichen Fragezeichen geschmückt. Einigen  Informationsquellen zufolge, wäre dies für Schweizer nur mit vorgängig beantragtem Visum möglich. Das haben wir nicht gemacht. Einen Besuch am Malawisee wollten wir aber auf jeden Fall nicht auslassen, notfalls auch nur in der tansanischen Nordecke des See's. So liessen wir uns an der Zollstation einfach treiben und waren angenehm überrascht, als sich mit 75$ pro Pass, ohne Quittung notabene, nach rekordverdächtigen zwei Stunden der Schlagbaum hob und wir einreisen durften. Für die erste Nacht hielten wir uns, der einsetzenden Dämmerung wegen, bald schon links und standen nach kurzer Holperfahrt an einem langen Sandstrand. Wo die vielen Leute, insbesondere Kinder, plötzlich her gekommenen sind, war für uns nicht nachvollziehbar. Für Unterhaltung war jedenfalls beiderseits gesorgt, als wir unser Dachzelt direkt neben einer Fischerhütte ausklappten. Ein spontanes, Afrikanisches Dorffest!

Seither folgen wir mit Abstechern der einzigen Lebensader im Norden Malawis. In der Hoffnung, dass weggespülte Strassenabschnitte in nützlicher Frist wieder aufgefüllt werden. Inzwischen ist die Zuversicht gewachsen, dass wir weiter südlich sogar nach Zambia weiterreisen können. Im Grenzgebiet soll einer der schönsten Nationalparks überhaupt zu finden sein, der South Luangwa NP.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Johannes (Montag, 16 Januar 2017 02:45)

    Wunderschön, wie sich Mzungus und die Einheimischen treffen, verbünden, miteinander spielen. Danke für euren Bericht sowie die schönen Bilder aus Malawi. Gespannt erwarte ich jeweils eure nächsten Berichte.

    Lieber Gruss
    Johannes

  • #2

    Diana Schenker (Dienstag, 17 Januar 2017 04:53)

    Wow!
    Ich suche ja noch immer nach dem geeigneten Ort zum Auswandern.
    Vielleicht wäre ja Malawi etwas für mich?

    Härzlichi Grüess
    Diana